2014/01: Wenn Grazer Rechtsextreme einen Ball organisieren –

eine Information zu den VeranstalterInnen des sog. Akademikerballs in Graz am 17.1.2015

 

Am 17. Jänner 2015 findet im Grazer Congress erneut der sog. „Akademikerball“ statt, die Veranstaltung der deutschnationalen Burschenschaften und der „Freiheitlichen Akademikerverbände“. Was in Graz noch immer als unpolitisches Tanzevent gilt, ist tatsächlich ein Treffen der rechtsextremen Szene: Ballorganisatoren, die von „zur Landplage“ gewordener „Kazeteska“ schreiben und vor „jüdischer Weltherrschaft“ warnen, oder die eine „Zersetzung des Volksbewusstseins“ beklagen und Bezeichnungen wie „Krüppel“ und „Neger“ nachtrauern…

Die VeranstalterInnen sind der „Grazer Korporationsring“ (GKR), zu dem sich mehrere Burschenschaften und Corps zusammengeschlossen haben, und die „Freiheitlichen Akademikerverbände“ (FAV), die Eigentümer des „Aula“-Verlags, die als „Unterstützer“ genannt werden.

 

BallorganisatorInnen als HüterInnen rechtsextremer Standpunkte

Die Geschichte der studentischen Korporationen ist untrennbar mit der Entwicklung des legalen und illegalen Rechtsextremismus verbunden. Ausschluss von Frauen, Elitenbewusstsein, eine strikte Hierarchie, die Anerziehung autoritärer Denk- und Handlungsmuster sowie ein völkisches und antisemitisches Weltbild sind seit dem 19. Jahrhundert zentral für das burschenschaftliche Selbstverständnis und drängen bis heute die liberalen Ideen völlig an den Rand.

Mehrere Verbindungen im Grazer GKR gehören sogar dem Rechtsaußen-Spektrum des burschenschaftlichen Lagers an. So sind die Grazer Burschenschaften Allemania, Germania, Arminia, Carniola, Frankonia und Cheruskia, die allesamt im Ballkomitee 2015 vertreten sind, Mitgliedsbünde der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“.[1] Die BG repräsentiert innerhalb des burschenschaftlichen Dachverbandes am konsequentesten rechtsextreme Standpunkte und sieht sich dabei selbst als Hüterin der völkischen Werte. So weigert sich die BG etwa bis heute, von Ostdeutschland zu sprechen, sondern besteht auf der Bezeichnung „Mitteldeutschland “. In allen Konflikten der letzten Jahre mit liberaleren Verbindungen, vor allem aus Deutschland, vertrat die BG die Rechtsaußen-Positionen.

2012 veröffentlichte die BG die „Denkschrift aus den Reihen der Burschenschaftlichen Gemeinschaft“. Darin ist von drohendem „Volkstod“ und „Zersetzung des Volksbewusstseins“ die Rede. Das Machwerk behauptet, zwischen Männern und Frauen sowie zwischen „Rassen“ bestünden Unterschiede in Bezug auf Intelligenz und Charakter.

Den Zustand der deutschsprachigen Staaten beschreibt die Schrift der BG so: „Das deutsche Volk ist auf der Straße zum Volkstod schon ein beträchtliches Stück vorangeschritten. Gegen den drohenden Tod unseres deutschen Volkes hilft nur eine Neuerweckung der geistigen Kräfte und das Wiederaufdecken unserer Wesensart sowie eine Rückbesinnung auf die unserem Volk wesenseigenen Wert- und Kulturvorstellungen. Neben der Verringerung der Volkskraft durch fehlenden Nachwuchs und Überfremdung, durch Befürwortung der Abtreibung und durch Zerstörung der Familie, erlebt das deutsche Volk heute auch den Versuch des geistigen Völkermordes durch bewusste Zersetzung des Volksbewusstseins. Wir Burschenschafter tragen mit Verantwortung, die geistige und biologische Substanz des deutschen Volkes zu erhalten.“

Mitverantwortlich für diese „Zersetzung“ seien die „alliierten Kriegsgegner“ und ihre „deutsche[n] Helfershelfer“, die „ihre vormalige Kriegspropaganda zur Umerziehung des deutschen Volkes umwandelten“. Die BG-Mitglieder protestieren gegen „Intoleranz“ gegenüber „althergebrachten Bezeichnungen“ wie „Neger, Zigeuner, Krüppel, schwachsinnig“ und mahnen das Festhalten am „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ ein. [2]

Diese Positionen tragen somit alle Burschenschaften mit, die der BG angehören. Denn wie die Autoren der „Denkschrift“ im Vorwort formulieren, handelt es sich dabei um eine „programmatische Schrift zum Selbstverständnis der Burschenschaftlichen Gemeinschaft“, die den Mitgliedsbünden „als Grundlage für die Unterrichtung der eigenen Mitglieder“ dienen soll.[3]

 Burschenschaftliches Treiben

Die burschenschaftlichen Buden in Graz waren in den letzten Jahren Schauplatz von Vorträgen von PolitikerInnen der neonazistischen NPD und anderer rechtsextremer Veranstaltungen. Die im Ballkomitee 2015 vertretene Burschenschaft „Arminia“ veröffentlicht ein Lied mit den Zeilen: „Herr Bruder traut zur Rechten, so reiche mir die Hand, und deute mir die Farben, an Deinem Burschenband./ So höre denn, ans Sterben, mahnt Dich der schwarze Rand. Du sollst den Tod nicht scheuen, fürs deutsche Vaterland!“

Aber auch zu den hiesigen Neonazis gab es Verbindungen: Als sich 2012 mehrere Neonazis und Rechtsextreme für den brutalen Überfall auf eine Geburtstagsgesellschaft in einem Grazer Unilokal verantworten mussten, wurden ein Burschenschafter und ein Ex-Burschenschafter dafür verurteilt.

 KZ-Überlebende als „Landplage“

Rechtsextreme bis neonazistische Positionen finden sich auch bei den „Freiheitlichen Akademikerverbänden“, die den „Akademikerball“ zusammen mit dem GKR organisieren. Die FAV sind die Herausgeber der „Aula“. Die „Aula“ gilt als zentrale Zeitschrift des rechtsextremen Lagers, in dem alle Strömungen, von der FPÖ bis hin zum Neonazismus, vertreten sind. Anfangs kamen in der Zeitung auch rechtskonservative Positionen zu Wort. Doch im Laufe der 90er Jahre, als der damalige Chefredakteur wegen Holocaustleugnung nach dem Verbotsgesetz verurteilt wurde und die „Aula“ in Zusammenhang mit den Ermittlungen um die Briefbomben[4] mediales und behördliches Interesse erregte, reduzierte sich ihre Linie auf den rechtsextremen Rand. Die AutorInnen kommen in der Regel aus dem deutschnationalen Verbindungsmilieu, aber auch zahlreiche FPÖ-PolitikerInnen publizieren darin.

Die Artikel der „Aula“ strotzen von Rassismus, offenem Antisemitismus und geschichtsrevisionistischer Propaganda, in deren Zuge z.B. 2011 und 2013 KZ-Überlebende (in „Aula“-Diktion „Kazeteska“) wörtlich als „Kriminelle“ und „Landplage“ bezeichnet wurden. Die „Aula“ wettert gegen MigrantInnen als „Zivilokkupanten“ und „asoziales, nicht integrierbares Gesindel“. Der Grazer Fred Ohenhen wurde 2010 als „netter Neger mit der Kokosnuss“ beschrieben. Erst 2014 veröffentlichte der Antisemit Friedrich Romig in der „Aula“ einen Artikel, in dem er Juden und Jüdinnen einen „unbändigen Willen zur Weltherrschaft“ und einen „Zug zur Gewalttätigkeit“ andichtete und vor „jüdischer Weltherrschaft“ als dem „Antichrist“ warnte.

 

  Zitate aus der „Aula“:
„Deutschland hingegen als das geopolitische Herz Europas mit einer weitgehend gehirngewaschenen Bevölkerung … mit Medien, Bankhäusern, Politik und Verwaltung fest in zionistischen Händen, könnte bei zionistischen Plänen eine Rolle spielen. Schon versucht die zionistische Seite, letzte Widerstandsnester in Europa zu beseitigen… Sollte dieses gespenstische …Vorhaben eines Judenstaates in Deutschland Wirklichkeit werden, wären die Deutschen die Palästinenser.“ (5/2010)
„Nach einigen Stunden Klamauk verschwand dann der nette Neger mit der Kokusnuß.“ (über einen Schulworkshop von Fred Ohenhen; 6/2010)
„Ist die Befreiung von Gefangenen, die sich im Handumdrehen als Landplage entlarven, Grund zum feiern? Doch kein noch so flüchtiger Gedanke an die unschuldigen Opfer der Kazetler-Exzesse trübte die Stimmung, als die Literatin Ruth Klüger gegen Gewalt und Rassismus das Wort ergriff.“ (6/2011)
„Dass ein Asiat kein Arier ist, sieht jeder ohne Nachweis. Für die DB steht daher ein solcher nicht zur Debatte. Vielmehr geht es um das Prinzip der deutschen Abstammung. Kann die DB glaubwürdig gegen Umvolkung und Überfremdung auftreten, wenn sie allen Ausländern freien Eintritt einräumt?“ (8/2011)
„Als der Verfasser in der Aula über die verbrecherischen Umtriebe der zur Landplage gewordenen Kazeteska berichtete, wurde er vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.“ (5/ 2013)
„Dank der laxen Gesetzgebung und der ausländerfreundlichen Abschiebepraxis, die massiv von Brüsseler Bonzokraten, einheimischen Gutmenschen und linken und liberalen Politikern unterstützt wird, nimmt die Zahl der illegalen Fremden, der geduldeten Zivilokkupanten sowie der legal lebenden Ausländer hierzulande von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat ständig zu.“ (5 2013)
„Die Landeshauptstadt [Bozen, Anm.] verkommt so zu einer Bettlerstadt, wo sich illegale Ausländer, Drogenhändler, Schlägertrupps und andere dunkle Gestalten herumtreiben. Wir sind kein Auffangbecken für asoziales, nicht integrierbares Gesindel.“ (10/2013)
„Diesem levitischem Zug zur Disziplinierung und Gewalttätigkeit verdanken Israel und die Juden ihre Weltstellung.[…] Der unbändige Wille zur Weltherrschaft durch Umsturz bestehender Ordnung brachte zwei soziale Phänomene hervor. Zum einen den engen Zusammenschluss der Juden untereinander. Zum anderen die zunehmende Entfremdung zwischen den Juden und ihren Wirtsvölkern […] Wenn der Leser von Lorenz Jäger dann noch mit der Kriegsschuld Roosevelts, den verräterischen Umtrieben eines Ernst Bloch, der vorurteilsbeladenen Antisemitismusforschung von Wolfgang Benz, dem Hass von Elias Canetti auf alles Gute und Schöne konfrontiert wird, dann kann er sich eigentlich nur noch fragen: Was ist aus uns geworden? […] Ist die jüdische Weltherrschaft nur noch eine Frage der Zeit? […] Lässt sich der Antichrist noch aufhalten?“ (3/2014)

 

Die FAV als offizielle Unterstützer des „Akademikerballs“ und zumindest jene sechs Burschenschaften im Ballkomitee 2015, die der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ angehören, haben eins gemeinsam: Sie sind nicht nur Teil der rechtsextremen Szene, sondern sie zählen dort zu den treibenden Kräften am rechten Rand.

Wenn NeofaschistInnen in Graz tanzen – dann nicht ohne unseren Widerstand.

17. Jänner 2015: Akademikerball in Graz verhindern!

 

[1] Webseite der BG (www.burschenschaftliche-gemeinschaft.de/kontakt/bg-mitgliedsbuende.html)

[2] Alle Zitate aus: BG (Hg.), Denkschrift aus den Reihen der Burschenschaftlichen Gemeinschaft in DB und DBÖ, Wien 2012.

[3] Vorwort zu: BG (Hg.), Denkschrift aus den Reihen der Burschenschaftlichen Gemeinschaft in DB und DBÖ, Wien 2012.

[4] Zwischen 1993 und 1997 wurden in Österreich durch eine Serie rassistisch und völkisch motivierter Bombenanschläge vier Menschen getötet und 15 Menschen z.T. schwer verletzt. 1999 wurde der Rechtsextremist Franz Fuchs dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.

 

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