2012/11: Die Bewährungsauflagen des Herrn Honsik und ihre Tücken

Die noch ausstehende Zeugeneinvernahme von Gerd Honsik war der Grund gewesen, warum der Prozess monatelang unterbrochen worden war. Sie musste erst über ein Rechtshilfeersuchen an die spanischen Behörden organisiert werden, da der Holocaustleugner sich in Spanien aufhielt und angeblich zu krank war, um nach Österreich zu kommen. Am 12.11. wurde Honsik schließlich per Videoschaltung befragt.

Dabei ging es ausschließlich um den Fürstenfelder Neonazi Franz Radl. Radl wird ja u.a. vorgeworfen, im Auftrag Honsiks dessen Webseite (mit)gestaltet zu haben, auf der in mehreren Texten der Holocaust geleugnet wurde. Dabei wird Radl durch seinen USB-Stick schwer belastet, der unverschlüsselt bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden war. Dieser enthielt die Korrespondenz zwischen den beiden Rechtsextremisten, darunter  Anweisungen Honsiks und Kommentare, was Radls Arbeit an der Webseite „honsik.com“ betraf. Nach dem Plan der Verteidigung sollte nun Honsik offenbar aussagen, dass Radl zwar die Homepage teilweise betreut, jedoch ausschließlich die legalen Beiträge bearbeitet hätte.

Das tat Honsik brav, indem er erklärte, Radl sei ausschließlich für die Bewerbung der nicht-verbotenen Bücher für ein junges Publikum verantwortlich gewesen. Naja, ein paar andere Texte habe er auch noch auf die Webseite gestellt, harmlose allerdings und die habe Radl nur Korrektur gelesen, weil er selbst Legastheniker sei.

Pech war nur, dass die aufgefundenen Emails auf Radls USB-Stick so gar nicht zu dieser Version der Ereignisse passten. Da tauchte doch glatt ein Mail auf, in dem Honsik und Radl über die Publikation des Texts „Die Jagschitz-Lüge“ korrespondierten, ein übler geschichtsfälschender Text, der – geschmückt mit ein paar akademischen Phrasen – das Einmaleins der Holocaust-LeugnerInnen wiedergibt. Damit konfrontiert, fiel Honsik nur ein: „An Details erinnere ich mich nicht.“ Das wiederholte er von da an konsequent, wenn weitere Emails zur Sprache kamen, die Radl sehr wohl mit pseudohistorischen Texten (und nicht nur mit Buchbewerbungen) in Verbindung brachten. Schließlich rang er sich zu einem genervten: „Wenn es Ihnen vorliegt, wird’s schon stimmen“ durch.

Dafür plusterte er sich inmitten seiner Amnesie auf einmal auf, um ein „Ich wende mich immer gegen Rassismus und Antisemitismus!“ ins Mikro zu posaunen. Dummerweise vergaß er dieses Bekenntnis ein paar Sätze weiter gleich wieder, als nämlich Radl selbst ein paar Fragen an den „lieben Gerd“ hatte. An seiner Auslieferung an die österreichische Justiz, die für ihn mit einer neuerlichen Verurteilung wegen Wiederbetätigung endete, sei nur Ariel Muzikant schuld gewesen, so Honsik. Dann fiel zum Glück die Technik aus und der Rest seiner antisemitischen Paranoia ging irgendwo auf dem Weg zwischen Spanien und Österreich verloren. Das Gericht hatte kein Interesse an einer erneuten Darbietung und Radl erhielt vom vorsitzenden Richter die verärgerte Aufforderung: „Stellens a gescheite Frage…!“ Diesen Gefallen erwies der oststeirische Neonazi leider weder dem Publikum noch seinem Anwalt. Seine Fragen bezogen sich großteils auf Honsiks jüngsten eigenen Prozess nach dem Verbotsgesetz und gaben dem notorischen Holocaustleugner die Gelegenheit zu erklären, dass er sich niemals trotz mehrfacher Verurteilung nationalsozialistisch betätigt habe. Mit dem Buch „Freispruch für Hitler? 37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer“ habe er sich ja eh nicht  identifiziert (Anm: nur herausgegeben…)

Als Radls Fragen immer offensichtlicher auf eine Stellungnahme Honsiks zum Holocaust zielten, wurde es sogar dem zuviel. Er bat Radl ausdrücklich, keine Fragen zum Holocaust zu stellen, da er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen würde, wenn er darauf antworten würde. (Als Nicht-Antisemit, versteht sich. Honsik war nämlich nach dem Urteil in Österreich gegen Auflagen vorzeitig aus der Haft entlassen worden.) Doch so schnell gab Radl nicht auf. Er zitierte das Protokoll des Verfassungsschutzes, in dem Honsiks Überzeugung, dass der nationalsozialistische Genozid nicht stattgefunden habe, beschrieben wurde. Nachdem die Holocaustleugnung so wenigstens einmal vor dem Publikum formuliert worden war, gab sich Radl schließlich damit zufrieden. Honsik wurde höflich verabschiedet und das nervzehrende bis lächerliche Spektakel war damit zu Ende.