2009/07: Lebhafter Protest gegen radikale Abtreibungsgegner_innen (HLI) in Graz

Etwa 60-70 Menschen demonstrierten am Samstag vormittag bei guter Stimmung in der Innenstadt gegen den Aufmarsch von Human Life International Diese christlichen Fundamentalist_innen belagern seit Monaten eine Frauenarztpraxis in Graz und belästigt dort Patientinnen. Wie an jedem 1. Samstag im Monat zogen sie auch diesmal mit einer Gebetsprozession durchs Zentrum in Richtung Ordination. Allerdings standen diesmal die etwa 20-30 HLI-Anhänger_innen ungefähr doppelt sovielen Gegendemonstrant_innen gegenüber. Mit Redebeiträgen, Parolen („Kein Pro-Life-Psychoterror mehr – Schutzzonen müssen her/Frauenrechte müssen her“, „Ob Kinder oder keine, entscheidet frau alleine“,…), Plakaten, Flugblättern und Transparenten begleiteten die Aktivist_innen aus unterschiedlichsten Gruppen den HLI-Zug.

Die Polizei hatte der angemeldeten Gegendemo allerdings die Auflage erteilt, einem Abstand von 50 m zu den Abtreibungsgegner_innen einzuhalten, und zwar, weil zuvor 2 Leute von HLI sich telefonisch bei der Polizei über vergangene „Begleit“-Gegendemos beschwert hatten. Einige Aktivist_innen verließen aber immer wieder den Demozug, um sich mit Karton-„Sprechblasen“ neben den HLI-Zug zu stellen, um den Passant_innen die frauenverachtende und homophobe Ideologie dieser Organisation explizit vor Augen zu führen (erhielten dafür, neben Gebeten von HLI, allerdings Anzeigen von der Polizei). Die Passant_innen reagierten auf die Flugblätter und die Aktionen zu einem größeren Teil kritisch gegenüber HLI.

Die 50-Meter-Auflage führte vor der Arztpraxis zu der kuriosen Situation, dass die Gegendemo, die voranging, vor HLI den Platz bei der Ordination erreichte. So war, um die polizeilichen Auflagen einzuhalten, der HLI-Zug gezwungen, 50 Meter entfernt, vor Notariatskammer und Kleintierpraxis, stehen zu bleiben und ihre „Andacht“ dort abzuhalten. Währenddessen besetzte die Gegendemo mit Frühstück und Musik den Parkplatz. Der Einsatzleitung dämmerte offenbar erst jetzt, dass ihr ein Fehler unterlaufen war, denn dadurch, dass sich die Gegendemo einerseits an die vorgegebene Route (inkl. Zwischenstopp) und andererseits an die Polizeiauflage mit den 50 Metern halten „musste“, blockierten die Aktivist_innen quasi auf polizeiliche Weisung den Raum vor der Arztordination. Erstmals seit Monaten war es HLI nicht möglich, diesen Platz für sich zu beanspruchen!

Nach wenigen Minuten zogen die radikalen Abtreibungsgegner_innen sichtlich frustriert wieder ab. Die Gegendemonstration wurde daraufhin offiziell aufgelöst. Allerdings bildeten einige Leute ein paar Straßen weiter eine Spontankundgebung, indem sie zwar ohne Sprechchöre, aber mit Plakaten und Transparenten gegenüber vom HLI-Zug gingen. Polizeieinheiten stoppten die Kundgebung am Jakominiplatz. Eine komplett überforderte Einsatzleitung erklärte die Demo für aufgelöst – allerdings, ohne dass es alle Teilnehmer_innen hören konnten – , mit der Begründung, dass sich die Teilnehmer_innen „provokant“ verhielten. Dann nahm der Einsatzleiter die Auflösung wieder zurück, offensichtlich unsicher, ob er das tun durfte. Nachdem er sich telefonischen Rat eingeholt hatte, erklärte er die Demo doch für aufgelöst.

Wir freuen uns über die vielfältige Teilnahme und auch darüber, dass es den HLI-Leuten zumindest diesmal nicht gelungen ist, die Arztpraxis direkt zu belagern. Wir werden weiter im öffentlichen Raum gegen die Ideologie von HLI, und vergleichbaren Organisationen auftreten. Die nächste Gelegenheit zu einer Gegendemo ist im September, und wir hoffen wir sehen uns alle wieder.

Wir werden Einladungen zu einem Vorbereitungstreffen verschicken.

P.S.: An die, die Film- oder Fotomaterial von der Demo haben, eine dringende Bitte: Meldet euch per Mail, z.B. bei fuer-selbstbestimmungsrecht-von-frauen@riseup.net, da es bei rechtlichen Problemen hilft – die ja einigen Teilnehmer_innen angekündigt wurden.

MayDay Graz, Graz, 04.07.2009