2005/03 (Der Standard): Das Recht auf den Panther

Graz – Der steirische „Leopold Stocker Verlag“ darf seit 1992 das Landeswappen führen. Grund für diese Würdigung war „Pionierarbeit für das land- und forstwirtschaftliche Schulbuch“. Doch wegen anderer Publikationen und Aussagen von Verlagsleiter Wolfgang Dvorak-Stocker forderten die Grünen 2004 den Entzug dieses Privilegs. Als Beispiel nennt Grünen-Abgeordnete Edith Zitz eine Rede, die der Verlagschef 2002 auf einem Kongress hielt. Dort war von „verlorenen deutschen Ostgebieten“ und der „biologischen Substanz der Deutschen“, die durch „Einwanderung und Multikultur verändert wird“ die Rede. Dvorak-Stocker zum STANDARD: „Das Zitat lässt sich nicht in einem Satz erklären. Es ist aus dem Zusammenhang gerissen.“
Der Verlag publiziert auch die Zeitschrift Neue Ordnung. Einige dort erschienene Artikel beurteilte ein Gerichtsurteil 2004 als „stark rechtsnational, zum Teil das NS-Regime verharmlosend“. Die Landesregierung hielt am Recht der Wappenführung fest.
Nun zeigte sich der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Anthony Scholz, in einem Brief an alle Landtagsclubs verwundert, „dass ein Verlag, der seit Jahrzehnten bekannterweise Publikationen mit rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Inhalten publiziert, überhaupt die Genehmigung erhalten hat, das Landeswappen zu führen“.
„Ich bin entsetzt. Die Kultusgemeinde ist einer Fehlinformation aufgesessen, die im Internet von Linksradikalen verbreitet wird“, meint dazu Dvorak-Stocker, „unsere Bücher beziehen Position, aber sie haben in einem demokratischen System Platz“.
Ein einstimmig angenommener SP-Antrag, fordert nun eine Novelle des Wappengesetztes, damit „diskriminierendes Verhalten oder ein (vormaliges) Naheverhältnis zu nationalsozialistischem Gedankengut“ zur Aberkennung führt. Zitz glaubt nicht an eine Umsetzung vor den Wahlen: „ÖVP und SPÖ buhlen um FP-Wähler“.

Colette M. Schmidt

DER STANDARD, 18.03.2005

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