2005/01: Unterschriftenliste + Begleitschreiben

Unterschriftenliste als .pdf:
https://maydaygraz.files.wordpress.com/2010/11/unterschriftenliste.pdf

Begleitschreiben:

Abs.:
Personenkomitee Mayday 2000 GrazPF 466/ 8011 Graz
mayday-graz[at]gmx[dot]at

Ergeht an:

  • die Mitglieder der steirischen Landesregierung
    (Waltraud Klasnic, Mag. Franz Voves, Dipl.-Ing. Leopold Schöggl, Hermann Schützenhöfer, Dr. Kurt Flecker, Mag. Kristina Edlinger-Ploder, Mag. Wolfgang Erlitz, Johann Seitinger, DDr. Gerald Schöpfer)
  • die Landtagsclubs von ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne

alle:
LANDHAUS
Herrengasse 16
8010 Graz


Betr.:
Leopold Stocker Verlag – Landeswappen und Homepage des Landes Steiermark

Sehr geehrte Damen und Herren!

Der Leopold Stocker Verlag trägt als offizielle Auszeichnung des Landes Steiermark das steirische Landeswappen, das für „besondere im Interesse des Landes gelegene Leistungen“ verliehen wird. Auf der offiziellen Homepage des Landes Steiermark wird unter den Verlagen der Leopold Stocker Verlag in Graz mit einem direkten Link auf dessen eigene Homepage angeführt.

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass dieser Verlag sowohl durch seine verlegerische Tätigkeit und als auch durch finanzielle Beteiligungen und die Aktivitäten seines Geschäftsführers Wolfgang Dvorak-Stocker die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts massiv fördert.

Aus diesem Grund ersuchen wir Sie dringend, dem Stocker Verlag das Landeswappen abzuerkennen und den Hinweis auf der Homepage des Landes Steiermark mit dem entsprechenden Link zu entfernen.

1. Im Bereich Zeitgeschichte und Politik brachte und bringt der Leopold Stocker Verlag Bücher von rassistischen, antisemitischen und rechtsextremen AutorInnen heraus:

z.B. von Andreas Mölzer, der bekanntlich gegen „Umvolkung“, „Schmelztiegeln verschiedenster Rassen“ und „Landnahmen fremder Völker“ agitierte; von Friedrich Romig, der als umtriebiger Antisemit in der rechtsextremen Publizistik bekannt ist; von David Irving, der den Holocaust als eine „Legende“ und Auschwitz als eine „Attrappe“ bezeichnet; von Fritz Becker, Autor der neonazistischen „Huttenbriefe“; von Wolf Hess – Sohn von Rudolf Hess -, der ebenfalls in rechtsextremen Kreisen aktiv ist, mit dem Buch: „Rudolf Hess: ‚Ich bereue nichts’“; vom bekannten Rechtsextremisten und ehemaligen SA-Sturmführer Otto Scrinzi, der seine Autobiographie bei Stocker veröffentlichte und in einer Buchpräsentation von Stocker vorstellte.

Der Buchversand des Leopold Stocker Verlags, die „Bücherquelle“, vertreibt weitere Bücher von Rechtsextremen wie von Jean Marie Le Pen (Front National), Franz Schönhuber (Republikaner) oder Jürgen Schwab (NPD) sowie von ehemaligen hohen NS-FunktionärInnen.

Vor kurzem wurde der „Ares Verlag“ als eine weitere Verlagsgruppe des Leopold Stocker Verlags gegründet (bezeichnenderweise nach dem griechischen Kriegsgott benannt), der in Zukunft ausschließlich historisch-politische Titeln herausbringen soll und als eines seiner ersten Bücher das Hauptwerk Caspar Schrenck-Notzings verlegt, eines deutschen Rechtsextremisten, dessen Kampf vor allem der „Umerziehung des deutschen Volkes“ gilt.

2. Der Leopold Stocker Verlag ist in der rechtsextremen Szene aktiv:

Er gibt vierteljährlich die Zeitung „Neue Ordnung“ heraus, in der laufend AutorInnen aus der rechtsextremen Szene schreiben (z.B. Karl Richter, Gerhoch Reisegger, Friedrich Romig) und die rassistische und antisemitische Beiträge veröffentlicht. Das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ bezeichnet die „Neue Ordnung“ als „Brückenbauorgan zum Rechtsextremismus“ und kritisierte beispielsweise an der Ausgabe Nr. 2/2004 einen Jubelartikel über den rumänischen Faschistenführer Corneliu Z. Codreanu, Gründer der pro-nationalsozialistischen „Eisernen Garde“, die 1940 Progrome und Massaker an der jüdischen Bevölkerung durchführte.

Der Leopold Stocker ist außerdem mit 10% an Mölzers Publikation „Zur Zeit“ beteiligt, die regelmäßig offen antisemitische Artikel publiziert.

Der Geschäftsführer des Verlags selbst ist Autor in der „Aula“, deren Schriftleiter bis vor kurzem Otto Scrinzi war. Wolfgang Dvorak-Stocker referierte außerdem 2002 bei der „Gesellschaft für freie Pulizistik“, einer bedeutenden Organisation des deutschen Rechtsextremismus.

Hier einige Auszüge aus Dvorak-Stockers Rede: „Und wenn wir an die heute verlorenen deutschen Ostgebiete denken und diese im Sinne des mythischen Verständnisses der Nation weiterhin als Auftragsraum unseres Volkes betrachten, bietet die Reichsidee wiederum den vielleicht einzigen realistischen und politisch verwirklichbaren Weg ihrer Wiedergewinnung. […] Die einzige wirkliche Frage ist hier die der biologischen Substanz, die ein Volk ausmacht. Wenn diese biologische Substanz der Deutschen durch Einwanderung und Multikultur verändert wird, dann findet der nationale Geist […] auch keine Substanz mehr vor, um lebendig zu werden, und sein Ende ist gekommen.“

Der Leopold Stocker Verlag wirbt meist mit seinen unpolitischen, vor allem landwirtschaftlichen Fachbüchern. Doch dies ist kein Argument, um über seine politischen Tätigkeiten hinwegzusehen: Denn die Gewinne, die er mit Büchern über Imkerei und Jagd erzielt, stärken ein Unternehmen, das die Förderung rechtsextremer AutorInnen und Publikationen als seine Aufgabe betrachtet. Dass der Stocker Verlag nicht vorhat, seine Verlagspolitik zu ändern, zeigt nicht zuletzt die Gründung der „Ares“-Verlagsgruppe.

Der „revisionistische Geist“ des Stocker Verlags, zu dem Otto Scrinzi dem Unternehmen 2002 gratulierte (bezogen auf die historischen Bücher des Verlags), ist unvereinbar mit jeglicher Form der Bewerbung, Unterstützung und Auszeichnung des Verlags durch politische VerantwortungsträgerInnen. Wir fordern Sie daher auf, die Aberkennung des Landeswappens einzuleiten und den offiziellen Link auf der Homepage des Landes Steiermark zum Stocker Verlag zu entfernen.

Personenkomitee Mayday 2000 Graz

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