2008/09: Stocker-Verlag belohnt NS-Glorifizierung

Der Leopold Stocker Verlag in der Grazer Hofgasse kann zwei Dinge offenbar nicht lassen: Prozesse gegen seine KritikerInnen zu führen, insbesondere wenn sie in der Gruppe Mayday 2000 zu finden sind, und seinen politischen Weg weiter unbeirrt nach rechts zu gehen.
So erscheint im „Ares-Verlag“, der auf zeitgeschichtliche Publikationen spezialisierten Verlagsgruppe von Stocker, heuer ein Sammelband zu Ehren von Hans-Dietrich Sander unter dem Titel „Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander“. Bei Sander handelt es sich um den ehemaligen Herausgeber der rechtsextremen „Staatsbriefe“, der in Deutschland wegen „Volksverhetzung“ verurteilt wurde und 2005 in einem skandaleusen Beitrag das NS-Regime als „eine geniale Improvisation“ verherrlichte, die „nach beispiellosen Erfolgen in sich zusammensackte.“ Ein anderes Zitat von Sander lautet: „Rassen sind eben keine Schreckgespenster, keine propagandistischen Erfindungen. Es gibt die Rassen, wie es Stämme und Völker gibt. Es hat wenig genützt, den Rassebegriff nach der Zerschlagung des Dritten Reiches, in dem er nicht gerade klug gehandhabt wurde, aus dem denkerischen Verkehr zu ziehen.“ Die daraus abzuleitende Forderung im Sanderschen O-Ton: die „Abschiebung der Immigrantenheere“. Denn: „Der Ruf nach den Menschenrechten hat zu schweigen.“ („Neue Ordnung“1/2005). Ein Verlag, der einen solchen Rechtsextremisten ehrt, lässt keine Zweifel mehr offen, wo er politisch steht.

enterhaken N°13, September 08