2007/09: Die Intelligenz der AfrikanerInnen

Oder: Rassenlehren neu aufgelegt!

In der aktuellen „Neuen Ordnung“ beschäftigt sich Wolfgang Dvorak-Stocker mit den Problemen Afrikas: Was als pseudowissenschaftliche Analyse beginnt, endet in purem, abscheulichem Rassismus. Dvorak-Stocker plädiert nicht nur für den Stopp der Entwicklungshilfe, da diese gemeinsam mit der Asylgewährung für Flüchtlinge die Ursache für die Armut in den afrikanischen Ländern wäre, er deutet auch die seiner Ansicht nach wahren Gründe für das Elend der afrikanischen Bevölkerung an: Die Ursachen für Hunger und Analphabetismus sind laut der „Neuen Ordnung“ nicht in den ungleichen terms of trade, in der Wirtschaftspolitik der Industrienationen, in den Folgen des Kolonialismus oder in den Machenschaften europäischer bzw. amerikanischer Konzerne zu sehen, sondern – in der angeblichen genetisch bedingten geringeren Intelligenz der AfrikanerInnen.
Dvorak-Stocker zitiert dazu das rassistische Machwerk des kanadischen Psychologen Philippe Rushton mit dem Titel „Rasse, Evolution und Verhalten“, das der hauseigene „Ares Verlag“ herausbrachte. „Demnach“, referiert Dvorak-Stocker scheinbar neutral, „kommt die Bevölkerung der Länder des subsaharischen Afrikas auf einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten von nur 85.“ Was der Grazer Verleger kaum glauben kann, denn: „Dies scheint aus europäischer Sicht fast nicht vorstellbar, sind doch hierzulande Menschen mit einem so geringen Intelligenzquotienten zumeist schon äußerlich zu erkennen.“ Leider führt Dvorak-Stocker nicht weiter aus, wodurch solche unintelligenten Exemplare identifiziert werden können, sondern wendet sich wieder den AfrikanerInnen zu.
Rushton habe zahlreiche Studien durchgeführt, und plastisch erklärt Dvorak-Stocker, wie mensch sich die Menschen in Afrika vorzustellen habe: „Wie es sein könnte, wurde mir klar, als ich den Film ‚Forrest Gump‘ sah, der den fiktiven Lebensweg eines Amerikaners erzählt, der, mit ähnlich geringer Intelligenz, doch mit beträchtlichen menschlichen Qualitäten ausgestattet, letztlich sein Schicksal meistert. In solcher Weise müssten wir uns gemäß den genannten Studien auch die Masse der Schwarzafrikaner vorstellen. Treffen sie zu, wird die Zukunft des ‚schwarzen Kontinents‘ nicht gerade rosig sein. Denn es gibt zwar sicher auch intelligente Afrikaner (beim genannten IQ handelt es sich ja um einen Durchschnittswert), doch […] Oft genug hat in der Weltgeschichte die brutale Beschränktheit reüssiert.“
Dvorak-Stocker hat mit diesem Editorial einen Offenbarungseid der eigenen Art abgelegt: Die AfrikanerInnen als Forrest Gumps, als Kinder, die zwar ganz nett sein mögen, aber den EuropäerInnen einfach nicht das Wasser reichen können – das ist es, was die LeserInnen der „Neuen Ordnung“ verstehen sollen. All die Phrasen in diesem Artikel, die scheinbares Bemühen um Verständnis und scheinbares Mitgefühl ausdrücken, können den brutalen Rassismus, der in dieser Aussage liegt, nicht verschleiern. Dvorak-Stocker hat sich um modernes Vokabular bemüht, doch der Inhalt entstammt den alten Rassentheorien: Die „Schwarzen“ sind genetisch bedingt dümmer und deshalb an ihrer Armut selbst schuld und deshalb geht uns diese Armut auch nichts an. Das ist es, Herr Dvorak-Stocker, was Sie hier verbreiten – und dass dieses Gedankengut menschenverachtender Rassismus ist, daran werden auch Ihre ständigen Klagen gegen uns nichts ändern. Die Frage ist nur, ob die PolitikerInnen von ÖVP und SPÖ, die laut „Aula“ an der Jubiläumsfeier des Stocker Verlags im Juni 2007 teilnahmen, solche Ausführungen auch gelesen haben – oder lagen bei diesem Event nur die Zeitschriften über Landwirtschaft und Alpendörfer auf?

enterhaken N°10, September 07

Advertisements