2005/03: Landeswappen für Förderer von Rechtsextremismus

Der Leopold Stocker Verlag, der durch seine verlegerische Tätigkeit und die Aktivitäten seines Geschäftsführers Wolfgang Dvorak-Stocker in die rechtsextreme Szene verstrickt ist, trägt bekanntlich seit 1992 das sog. steirische Landeswappen, das Firmen für „besondere im Interesse des Landes gelegene Leistungen“ verliehen wird. Im Vorjahr stellten einige Abgeordnete den Antrag auf Aberkennung der Auszeichnung. Doch dieses Vorhaben stieß nicht nur auf Widerstand von ÖVP und FPÖ, sondern befremdenderweise auch auf den der SPÖ.

Die Stellungnahme der steirischen Landesregierung (einstimmiger Beschluss vom 31.1. 2005) weist die Forderung nach Aberkennung des „Landeswappens“ mit Hinweis auf die zahlreichen landwirtschaftlichen Bücher, den hohen Exportanteil und die Zahl herausgebrachter Buchtitel zurück – auch wenn der Link auf der Homepage des Landes Steiermark zum Stocker Verlag inzwischen verschwunden ist. Die oben genannten „Umstände“ seien „weiterhin aufrecht“, heißt es. Für welches Gedankengut die vielen bienen-, enten- und kuh-spefi zischen Bücher Gewinne erwirtschaften, zeigte die „Neue Ordnung“, die rechtsextreme Vierteljahreszeitung des Verlags, 2004 mit dem Gedicht „Ein deutsches Lied“, aus dem wir zwei Strophen dokumentieren:
„Deutscher, laß die Kathedralen als Moscheen neu erstrahlen / oder sich zu Tempeln mausern – darfst nicht mit dem Erbe knausern! / Als Bereicherung empfi nden, mußt du, wenn sie dir entwinden / Boden, Haus und Werk der Ahnen, um mit Mälern dich zu mahnen. […]
Deutscher, pfeif auf deine Alten, sollen sich doch selbst erhalten! / Und als Regel gilt nicht minder: Ja nur keine eignen Kinder! / Hol ins Land dir Putzer, Feger, Händler, Dirnen, Söldner, Pfl eger / wirst am Ende gar nicht sehen, wie sie dir am Schläuchlein drehen…“
Der Stocker Verlag hat übrigens eine neue Verlagsuntergruppe gegründet: den nach dem griechischen Kriegsgott benannten „Ares Verlag“, der sich ausschließlich der Herausgabe politischer und zeitgeschichtlicher Bücher widmen soll – offenbar, ohne dass gleich auf den ersten Blick der Name „Stocker“ ins Auge fällt, den die Geschäftsführung lieber mit Werken über die Feinheiten der Bienenzucht verbunden sehen will. Die rechtsextreme Szene weiß jedenfalls, was sie am Stocker Verlag hat. Otto Scrinzi würdigte den Verlag 2002 in einer Laudatio, als die Senior-Chefi n von der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ ausgezeichnet wurde: „Sehr früh wandte man sich der Zeitgeschichte in bestem revisionistischen Geiste zu. Diese sich ständig ausweitende Sparte des Verlages erfreut sich natürlich des besonderen Zuspruches unseres Gesinnungskreises und sichert ihr unsere große Dankbarkeit.“ In der Entscheidung, dass dem Stokker Verlag Anerkennung gebührt, sind sich rechtsextreme Kameraden und steirische Landesregierung offenbar einig.

enterhaken N°02, März 05