2005/01: Auf Kurs Richtung Rechtsextremismus

Einen weiteren Rechtsruck hat die vom Leopold Stocker-Verlag herausgegebene Zeitung „Neue Ord-nung“ (NO) in den letzten Ausgaben vollzogen. Sie hat ihre bisherige Linie – konservative und rechtsex-treme AutorInnen, rassistische bzw. antisemitische Texte neben rechtskatholischen Inhalten – deutlich radikalisiert: So erschien in der Nummer 2/04 ein verherrlichender Artikel über den rumänischen Faschistenführer Corneliu Z. Codreanu und die von ihm gegründete „Legion Erzengel Michael“, 1930 in „Eiserne Garde“ umbenannt. Die „Neue Ordnung“ lobt an der Legion die „Praktizierung des bewussten Opfers“ und ihr „übernatürliches Heldentum“. Tatsächlich vertrat die „Eiserne Garde“ eine radikal antisemitische und pro-nationalisozialistische Politik und beteiligte sich nach mehreren blutigen Niederlagen im Ringen um die Macht 1940 einige Monate am deutschen Marionetten-Regime unter General Ion Antonescu: Die Gardisten verschärften die antijüdischen Gesetze und begannen einen Rachefeldzug gegen ihre politischen GegnerInnen. Der bald einsetzende Machtkampf der „Eisernen Garde“ gegen Antonescu war von Progromen gegen die jüdische Bevölkerung begleitet, beim Massakker der Gardisten in Bukarest wurden ca. 1000 Menschen getötet. In Ausgabe 4/04 berichtet die NO lobend über Nachfolgeorganisationen der „Eisernen Garde“ im heutigen Rumänien, die sich offen auf Codreanu berufen und u.a. die „Lösung des Zigeunerproblems“ (O-Ton „Neue Ordnung“) fordern. Gefallen hat die NO auch an der Politik der deutschen NPD gefunden: Vor dem Hintergrund einer insgesamt wohlwollenden Berichterstattung kritisiert NPD-Mit-glied Jürgen Schwab, dass der „durchaus berechtigten Aufnahme von Neonationalsozialisten“ in die NPD keine „Intellektualisierung“ gefolgt sei. Auch in Sachen Rassismus schlägt die NO in 4/04 schärfere Töne an: Wolfgang Dvorak-Stocker warnt vor „noch mehr fanatischen Muselmanen in Europa“ „dank der verblendeten Einwanderungspolitik unserer Multikulti-Apostel“, und Schriftleiter Achim Lang macht gegen „Asylschwindel“ Stimmung.
Nach außen hin präsentiert sich der Stocker Verlag noch immer als „konservativ“ – was der Verlag darunter versteht, erläutert Lang in der Nummer 3/04 der NO: Die „NPD der 60er Jahre“ und die „Republikaner“ der 80er Jahre seien eine „durchaus bürgerlich-konservative Kraft“ gewesen. Wir danken dem Stocker-Verlag für diese Selbsteinschätzung: Denn dass die beiden genannten Parteien eindeutig dem Rechtsextremismus zuzuordnen waren, daran besteht wirklich kein Zweifel. Das Land Steiermark muß sich allerdings fragen, wie lange eine solche Ideologie die Auszeichnung des „Landeswappens“ noch tragen soll! Quellen: „Neue Ordnung“ 2004; Mitteilungen des „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“.

enterhaken N°01, Jänner 05