2015/09: Die Neonazis bei Pegida Graz – von RFJ bis Hooligan

Für den 26. September haben die Rechtsextremen von der sog. „Partei des Volkes“ (PDV) zu einer Kundgebung nach Graz mobilisiert. Da sowohl die Aktiven als auch die Anhänger*innen der PDV teilweise mit jenen der Grazer Pegida identisch sind, ist dies auch ein Anlass das Publikum von Pegida unter die Lupe zu nehmen. Der folgende Beitrag befasst sich mit Personen, die sich zwischen Pegida, rechtem Hooligan-Milieu, Neonazismus und FPÖ bewegen und von denen einige ihre Teilnahme am 26.9. ankündigten.

Der „volkstreue Kamerad“ und alte Bekannte Daniel Polzhofer

Als erstes wäre Daniel Polzhofer zu erwähnen, der Neonazi aus dem Süden von Graz, der im Vorfeld des Pegida-„Spaziergang“ Ende März 2015 nicht nur fleißig Pegida Graz-Beiträge mit „gefällt mir“ markiert hat, sondern auch selbst im Netz für den Pegida- Spaziergang mobilisierte.

Bekannt wurde Kamerad Polzhofer, als Aktivist*innen des Chaos Computer Clubs 2009 die Kundendatenbank des Onlineversandshops thorsteinar.de hackten. Die bezeichnende E-Mail Adresse, mit der er dort registriert war: wotan88@gmx.at. Zu dieser Zeit pflegte er über Myspace auch „volkstreue kameradschaftliche“ Kontakte mit dem Weizer Neonazi Gerhard Taschner und dem gleichgesinnten Markus Liendl, der damals in der Umgebung von Feldbach lebte. Ein Bild zeigt ihn im März 2008 im Neonazi-Block bei einer Demonstration gegen die EU, wo er zusammen mit Richard Pfingstl ein Transparent mit der Aufschrift „Freiheit für Gerd Honsik“ trug.1Polzhofer

Drei Jahre, nachdem die einschlägigen Bestellungen und Kontakte bekannt geworden waren, trat Polzhofer erneut in Erscheinung, als er sich beim Gerichtsprozess 2012 gegen prügelnde Neonazis, Burschenschafter und Hooligans aus Graz und der Oststeiermark mit den Angeklagten solidarisierte. Unter jenen, die sich damals wegen Körperverletzung und/oder Wiederbetätigung verantworten mussten, befanden neben den bereits erwähnten Taschner und Liendl auch Franz Radl, Richard Pfingstl, Christoph Schober sowie die Brüder Christian und Stefan Juritz (letzterer wurde freigesprochen). Den Prozess nutzte Polzhofer, um kläglich zu versuchen, anwesende Journalist*innen zu belauschen und Antifaschist*innen zu bedrohen. Als bei den Aussagen vor Gericht zur Sprache kam, dass Polzhofer zusammen mit Liendl und Taschner in der einschlägigen Szene unterwegs gewesen war und die drei Musketiere etwa zusammen nach Wien gefahren waren, um Gottfried Küssel zu besuchen, ließ sich „Wotan88“ beim Prozess plötzlich nicht mehr blicken.2 Grund dafür war jedoch keineswegs eine Veränderung seines Weltbilds:

So solidarisierte er sich Ende April 2014 – übrigens zusammen mit Franz Radl –sowie Ende November 2014 öffentlich mit den inhaftierten Betreibern der Nazi-Homepage alpen-donau.info (alt). Als der GAK-Hooligan Rene Pigel 2013 am 20. April auf Facebook schrieb „Alles Gute zum Geburtstag Adolf H.“, postete Polzhofer ein „Gefällt mir“.3

1 Quelle: Screenshots der Myspace-Kontakte und Fotos der erwähnten Demonstration.

2 Quelle: Prozessbeobachtung 2012 am Grazer Straflandesgericht, Aussagen von Zeug*innen im Verfahren wegen Wiederbetätigung gegen Taschner, Liendl, Pfingstl u.a. 2012.

3 Quelle: Screenshots der entsprechenden Facebook-Seiten.

Ein Ennstaler zwischen Pegida, RFJ und Neonazismus

Ebenfalls anwesend beim Pegida-Spaziergang in Graz war der Ennstaler RFJ-Aktivist Markus Walcher. Walcher nannte auf Facebook – lange Zeit öffentlich –  in- und ausländische Rechtsextreme und Nazi-Kader jeglicher Couleur als Freunde: darunter den bereits mehrfach erwähnten Fürstenfelder Neonazi Franz Radl, den „Welser Braunen“ Ludwig Reinthaler, den Salzburger Identitären mit neonazistischer Vergangenheit Edwin Hintsteiner, den „Unsterblich Wien“-Hooligan Markus Wieneritsch, sowie die bundesdeutschen Neonazi-Größen Thomas „Steiner“ Wulff und Udo Voigt (NPD)  – um nur ein paar zu nennen. Des Weiteren verbreitete er Fotos von Gedenktafeln des SS-Veteranenverbands „Kameradschaft IV“ im Internet und hetzte in biologistischer Tradition gegen „degenerierte“ Linke und Homosexuelle.

Den von Radl auf Facebook veröffentlichten Wehrmachtsbericht vom 9.Mai 1945, den die neonazistische Webseite Metapedia verbreitet hatte und in dem von einem „fast sechtsjährigen heldenhaften Ringen“ sowie dem „deutschen Soldaten“ die Rede ist, der „im höchsten Einsatz für sein Volk Unvergessliches geleistet“ habe, kommentierte Walcher mit einem „Gefällt mir“.

Alle diese Aktivitäten stellen offensichtlich kein Problem für den Liezener „Ring Freiheitlicher Jugend“ (RFJ) dar, in dem sich Markus Walcher seit einigen Jahren unter der Schirmherrschaft von Robert Stock engagiert. Stock ist Bezirksobmann des RFJ Liezen, aktiver FPÖ-Gemeinderat in Rottenmann-Oppenberg und stellvertretender Jugendreferent der FPÖ Liezen.

Als Walcher sich bei der Pegida Graz-Demonstration im einschlägigen Thor Steinar-Pullover inszenierte, sah er das wohl als gelungenes Abbild seiner selbst und veröffentlichte kurz darauf ein entsprechendes Foto auf seiner Facebook Seite, wo er sich im Übrigen „markus.walcher.18“ nannte. (ob sich bei der Zahlenkombination um sein Alter oder um den unter Neonazis beliebten Zahlencode handelte, sei mal dahingestellt.) Auch daran störten sich seine Kamerad*innen vom RFJ Steiermark nicht sonderlich und Walcher nahm Mitte April dieses Jahres an der Frühjahrsklausur des RFJ Steiermark im Trattnerhof (Semriach) teil.

Wenig später änderte er seinen Auftritt auf Facebook erneut und wählte nun ein Profil, indem er die Freilassung des ehemaligen VAPO-Führers und Alpen-Donau.Info-Betreibers Gottfried Küssel forderte, was ihm ein „Gefällt mir“ seines Facebook-Freundes Radl einbrachte.

Quellen für alle Angaben zu Markus Walcher: Fotos des Pegida-Spaziergangs vom 29.3.2015, Fotos der RFJ-Klausur im April 2015, Facebook-Seite von Markus Walcher. Das Profilbild mit Küssel stammt vom 21.6.2015, wenige Tage später ging die Seite offline.

Profil Walcher

Das Facebook-Profil des RFJ-Aktivisten Markus Walcher vom 21.6.2015

 

Noch ein FPÖler mit Sympathie fürs Braune

Ein weiterer Repräsentant der RFJ-Pegida-Schnittmenge ist der Gemeinderat Manuel Kahr aus Unterfladnitz, der ebenfalls am Spaziergang am 29.3.2015 teilnahm. Kahr wird im Bezirk Weiz seit Jahren als freiheitlicher Nachwuchspolitker aufgebaut: So wurde Kahr am 15. Februar 2013 beim Stadtparteitag der FPÖ Weiz zum Kassier gewählt. Im gleichen Jahr initiierte er den öffentlichen FPÖ-Stammtisch in St. Ruprecht an der Raab. Als Spitzenkanditat der FPÖ St. Ruprecht an der Raab zog er im März 2015 mit zwei Parteikollegen in den Gemeinderat ein. Seit 24. Juli 2015 ist er nun Obmann der neuen freiheitlichen Ortsgruppe St. Ruprecht an der Raab. Drei Tage darauf wurde er am Bezirksjugendtag einstimmig zum neuen Obmann des RFJ Weiz gewählt.

Manuel Kahr
Manuel Kahr beim Pegida-Spaziergang in Graz

Im Internet gibt sich Manuel Kahr auf den ersten Blick bedeckt. Wie die Recherchen von „Heimat ohne Hass“ zeigten, beteiligte sich Kahr jedoch an einer offenen FPÖ-Facebookgruppe, in der wiederholt in Zusammenhang mit Geflüchteten und Migrant*innen die Vergasung gefordert wurde und Möglichkeiten der Schändung von muslimischen Gräbern diskutiert wurden.

Grund genug, um im Fall von Manuel Kahr genauer hinzuschauen. Ein zweiter Blick führt nämlich über das Facebook-Profil von Gerald Kaiser aus Weiz. Kaiser veröffentlicht Bilder von NS-Devotionalien und Grafiken und Textpassagen mit NS-Bezug. Dazwischen postet er mal Fotos von sich und seiner „White-Power“-Tätowierung oder posiert vor einer Reichskriegsflagge mit einem Eisenen Kreuz als T-Shirt- Motiv: beides übrigens Bilder, die Manuel Kahr mit einem „gefällt mir“ markiert hat.

Dem FPÖ-Politiker Manuel Kahr gefällt auch sonst so einiges, was sein Kamerad Gerald Kaiser von sich gibt: zum Beispiel das Titelbild von Kaiser, welches er am 5. November 2014 veröffentlichte. Es zeigt zwei Vögel, die in ihrem Schnabel einen Kriegsverdienstorden halten, der im Nationalsozialismus nur 157 Mal verliehen wurde: das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern (Stiftungsdatum 1939). Darüber ist der Schriftzug „Germania“ zu lesen.

FB Gerald Kaiser

Kahr begeistert sich für ein Titelbild, das von NS-Nostalgie strotzt.

Es gefällt Manuel Kahr zudem, wenn Kaiser nach einem gewonnen WM-Spiel der deutschen Herren-Fußball-Nationalmannschaft schreibt: „das Reich hat gesiegt“. Im Zuge der gleichen Fußball-WM forderte Kahr auch auf, die Sonderpackung des Waschmittelherstellers Ariel „sofort [zu] kaufen, solange es [sie] noch gibt.“ Die besagte Waschmittellpackung war nämlich großflächig mit dem unter Neonazis beliebten Zahlencode 88 bedruckt (Die Zahl 88 steht stellvertretend für „Heil Hitler“).

FB Gerald Kaiser_2

 

Kameraden über die digitale bolschewistische Bedrohung: „Bolschewistische Facebookfreunde“ will Kaiser „ausradieren“, denn „Einmal Kamerad immer Kamerad! Das eigene Leben für das Volk zu geben ist oberste Pflicht!“ Für Kahr die „pure Wahrheit“.

Ebenfalls am 10.Mai 2014 stellte Kaiser auf Facebook die Frage „Warum wählst DU die NPD?“ und antwortete selbst mit „Für unsere Kameraden !!!!“. Kahr erwiderte darauf nur: „Bundeskameraden!“ Womöglich als Dank für so viel Loyalität markierte der wegen Volksverhetzung verurteilte Berliner NPD-Chef und Neonazi Sebastian Schmidtke das am 13.Juni 2015 gepostete Titelbild von Kahrs Facebookseite mit einem „gefällt mir“

Quellen zu allen Angaben: Vgl.Facebook-Postings von Manuel Kahr auf der Seite von Gerald Kaiser am 20.3.2015, 29.11.2013, 3.1.2013, 16.6. 2014,10.5.2014.

 

Hooligans und Pegida Graz

Obwohl Pegida im Vorfeld ihrer Demonstration in Graz im März 2015 anküngedigt hatte, dass das Tragen einschlägiger Kleidung (und dazu zählt die Marke Thor Steinar zweifelsohne) ein Ausschlussgrund vom Pegida- Spaziergang sei, nahmen neben Markus Walcher noch weitere Personen in Thor Steinar-Klamotten teil bzw. wollten dies, sind aber an den antifaschistischen Blockaden gescheitert.

Einer von ihnen, Ralph Unger, fand den Weg in die Geisterstadt des für Pegida eingerichteten Sperrgebiets und versuchte sich dort als Anti-Antifa-Fotograf. Unger ist Hooligan des für sein Gewaltpotential bekannten GAK-Fanclubs „Rote Armee Graz“ (RAG) und aktiver Kampfsportler im ASKÖ Kickboxcenter Graz. Des Weiteren drückt er öffentlich seine Sympathisien für den „Freizeitverein“ Road Crew aus. Die Road Crew wurde ursprünglich als männerbündischer Fanclub der Rechtsrock-Band „Barking Dogs“ gegründet und besteht auch nach Auflösung der Band weiter, wobei sie sowohl in Deutschland als auch in Oberösterreich bereits durch die rege Beteiligung der rechtsextremen Skinhead- und Hooliganszene aufgefallen ist.

Bemerkenswert ist vor allem, dass eine der Pegida-Spendenboxen, die noch während der Reden am Pult stand, zum Zeitpunkt des Spaziergangs in Ungers Jackentasche zu finden war. So zwingt sich nahezu die Frage auf, ob der Ausschluss von Personen in rechtsextremem Outfit deshalb nicht umgesetzt wurde, weil Pegida dann ihre eigenen Organisationsmitglieder ausschließen hätte müssen?

Ralph Unger

 

Ralph Unger mit Pegida-Spendenbox bei der Kundgebung am 29.3.2015

 

Gesehen wurde Ralph Unger während der Pegida- Veranstaltung mehrfach zusammen mit Stefan Egger. Auch dieser ist kein unbeschriebenes Blatt: Als Hooligan des GAK-Fanclubs RAG beteiligte er sich 2012 am Platzsturm in Hartberg und, was politisch interessanter ist, er mobilisierte zur gemeinsamen Anreise zur Demonstration der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln im Oktober 2014, die schließlich in rechtsextreme Krawalle mündete. Eine Ansammlung von Rechtsextremen, Neonazis und Hooligans, darunter die aus dem Neonaziprozess 2012 bekannten Steirer Pfingstl und Schober, warb damals für eine Fahrgemeinschaft von Wien nach Köln.

Egger

 

Ralph Unger (l.) und Stefan Egger (r.) bei der Pegida-Kundgebung in Graz im März 2015

 

Fortsetzung folgt

Eine Szene, in der Pegida, PDV, RFJ und rechte Hooligans eng miteinander verstrickt sind, tritt seit einiger Zeit verstärkt in Graz an die Öffentlichkeit. Ein Grund mehr, die Recherchen zu diesem Spektrum des Rechtsextremismus bzw. Neonazismus fortzusetzen…

Pegida PdV Egger
Kameraden vereint bei der Durchführung des Pegida-Spaziergangs in Graz am 29.3.2015: vor dem Transparent v. l. n. r. Werner Wirth (Pegida), Thomas Kirschner (PDV), Stefan Egger (RAG).

 

 

 

 
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