2009/09: Die Ost(steier)mark-Connection

Der Neonazi aus der „Kickboxunion Pischelsdorf“

An seinem Wohnort ist er vor allem durch seine Medaillen im Kampfsport bekannt: Gerhard Taschner, geboren 1985, Kikboxer, aktiver Neonazi und in seinem Selbstverständnis „politischer Soldat“ aus Gleisdorf/Oststeiermark. Für die „Kickboxunion Pischelsdorf“ ist Taschner eines ihrer Aushängeschilder, spielte er doch mehrmals mit Erfolg in der Steirischen Meisterschaft mit. Ob seinen Sports-freundInnen auch bekannt ist, welche Ideologie der „politische Soldat“ lange Zeit in aller Offenheit im Internet verbreitete – ehe ihm jemand 2009 offenbar riet, etwas vorsichtiger zu agieren?

Steirische Jungnazis in Dresden 2009: Gerhard Taschner (ganz links) und weitere Neonazis aus Feldbach

Im Netz warb Taschner mit Slogans wie „Rassismus ist gesunder Volkserhaltungstrieb“, und gab als bevorzugte Musik „Landser“ (eine bekannte Neonazi-Band) an, außerdem die neonazistischen Liedermacher Frank Rennicke“ (Ein Refrain: „Rote Ratten / zerschlagt doch diese Brut / schützt euer Hab / und schützt auch euer Gut /schützt auch euer Blut“) und Michael Müller („Bei 6 Millionen Juden da fängt der Spaß erst an / bis 6 Millionen Juden da bleibt der Ofen an / wir haben reichlich Zyklon B…“). Mit seinen FreundInnen chattete er ohne jede Zurückhaltung: In diesem Kreis wird mit „Heil dir!“ oder „Der Sieg ist unser!“ gegrüßt, Fotos mit Hitlergrüßen und Neonazi-Symbolen werden ausgetauscht, Informationen über die Entwicklung der lokalen – Feldbacher – Freiheitlichen weitergegeben. Geworben wird mit Videos von „Alpen-Donau“, dem zur Zeit in Österreich wesentlichsten Neonazi-Forum, das inhaltlich eine Kopie des Programms der NSDAP darstellt (siehe Beitrag „Neonazihomepage Alpen-Donau“, enterhaken 16, Seite 16).

Und den Worten lässt Taschner Taten folgen: Seine Teilnahme an mehreren Großveranstaltungen der Neonazi-Szene ist dokumentiert, wie beim „Tag der volkstreuen Jugend“ 2006 in Oberösterreich, den der neonazistische „Bund Freier Jugend“ (BFJ) organisierte, im Neonazi-Block bei der Demonstration gegen den EU-Reformvertrag 2008 hinter einem Transparent „Freiheit für Gerd Honsik“, beim Fest des BFJ im Sommer 2007 im Bezirk Kirchbach/Oberösterreich zusammen mit Gottfried Küssel, Gründer und ehemaliger Kopf der VAPO („Volkstreue Außerparlamentarische Opposition), und in Dresden im Februar 2009 beim „Trauer“-Aufmarsch, der dort jährlich anlässlich der Bombardierung der Stadt im 2. Weltkrieg von Tausenden Neonazis durchgeführt wird.

Stefan Juritz bei einer FPÖ-Kundgebung in Graz 2009Gerhard Taschner: „politischer Soldat“ im Sinne Adolf Hitlers

Wo RFJ und BFJ zusammen marschieren …

Taschners Fotos, die er im Internet veröffentlichte, geben Aufschluss darüber, zu welch inneren Kreis er Zugang hat: Eines stammt von einer Gedenkfeier im offenbar sehr kleinen Rahmen, um das Jahr 2006 herum, bei der der prominente Neonazi Franz Radl (Fürstenfeld/Oststeiermark) einen Kranz niederlegt. Radl ist einer der führenden Kader im heimischen Neonazismus: 1990 trat er mit der Liste „Nein zur Ausländerflut“ in Wien an, die wegen NS-Wiederbetätigung nicht zugelassen wurde, bracht danach die Hetzschrift „Gäck“ heraus, die sich vor allem an Jugendliche richtete, beteiligte sich an Küssels VAPO, agierte als „Berater“ des Holocaustleugners Gerd Honsik und tauchte nach 2000 als Mitarbeiter des neonazistischen „Kulturwerk europäischen Geistes“ (DKEG) in Graz auf.

Die Gedenkfeiern, wie sie auf Taschners Fotos zusehen sind, werden abseits der Öffentlichkeit mit den Führungsfiguren der neonazistischen Szene wie Radl organisiert (meist in der Steiermark oder im Burgenland): Hier treffen sich nicht die SymphatisantInnen oder MitläuferInnen, sondern jene Gruppen, die momentan den harten Kern des österreichischen Neonazismus stellen: Ehemalige VAPO-AktivistInnen und BFJ-Leute.

Richard Pfingstl, nach wie vor aktiv – wenn auch nicht immer in zurechnungsfähigem Zustand

Diese Personen waren es auch, die 2007 im Sommerlager des BFJ zusammensaßen, wo Taschner auf zwei weitere Steirer traf: Stefan Juritz, Bezirksobmann des „Ring Freiheitlicher Jugend“ (RFJ) in Deutschlandsberg, und Richard Pfingstl vom RFJ Graz leisteten Küssel und Co dort Gesellschaft. Juritz sorgte im April 2007 mit einer Presseaussendung für Wirbel, als er die Abschaffung des Verbotsgesetz verlangte und vier Führungskader des neonazistischen „Bundes freier Jugend“ (BFJ), die damals angeklagt waren, als „volkstreue Aktivisten“ verteidigte. Pflingstl flog im Februar 2009 aus dem Vorstand des Grazer RFJ, nachdem eine allzu peinliche Aussendung, in der er sich gegen die JournalistInnen des „Falter“ austobte, von ihm öffentlich geworden war. Doch Pflingst ist nach wie vor im Umfeld des RFJ aktiv, er ist ebenso wie Juritz bei der „Germania im CDC“ korporiert, die gleiche Burschenschaft, der auch der freiheitliche Grazer Klubobmann Armin Sippel angehört.

Die Neonazihomepage „Alpen Donau“ wird übrigens genau jenem Kreis aus ehemaligen VAPO-Leuten und BFJlerInnen, teilweise aus dem Burschenschaftsmilieu, zugeschrieben, der sich bei diesem Sommerlager und den erwähnten Gedenkfeiern trifft…

Aber auch in sonstiger Hinsicht ist Taschners Fotosammlung interessant: Ein Foto aus Dresden 2009 zeigt die gesamte oststeirische Neonazi-Gruppe, die auch in Taschners Chat-Kontakten auftaucht. Ein Name daraus: Friederike Hutter, wohnhaft in Feldbach/Oststeiermark. „Fritzi“, geboren 1978, Pferdeliebhaberin, und deshalb auch samt Gaul Asinus in der Fotosammlung der RCMP-Ranch bei Pertlstein (zwischen Feldbach und Fehring) verewigt, outete sich bereits 2003 bei ihrer Bestellung im „Aufruhr-Versand“ als Fan der Naziband „Skrewdriver“ und von Nazisymbolik. Auch Kleidung mit den „14 words“1 ließ sie sich nach Feldbach liefern. Im Internet stellte sie sich mit einem Mobilisierunggsvideo von „Alpen Donau“ vor.

Eine Gruppe oststeirischer Neonazis, von denen zumindest einer, Taschner, zum harten Kern um Franz Radl Zugang hat und zugleich mit den steirischen Freiheitlichen und Burschenschaftern Juritz und Pflingstl in Verbindung steht, ja sich sogar zusammen mit ihnen im Camp des BFJ schulen lässt – es wäre fahrlässig, diese Szene nicht im Auge zu behalten: eine Szene, die einen lebensgefährlichen „Sieg“ herbeisehnt, nach dem die „Minusmenschen bezahlen“ werden, wie das von ihnen beworbene „Alpen-Donau“-Forum ankündigte.

Quellen: Internetveröffentlichungen, Daten des „Aufruhr-Versands“, Fotodokumentationen von rechtsextremen Veranstaltungen

1 Die „14 words“ stehen symbolisch für die Aussage des amerikanischen Rechtsterroristen David Lane, der u.a. wegen Mordes zu insgesamt 190 Jahren verurteilt ist: „We must secure the existence of our people and a future for white children.“