2010/04: Zusammen marschieren, zusammen prügeln.

Der RFJ und die Neonazis.

Ein Schlägertrupp in Graz, dem ein bekannter Neonazi und ein hoher RFJ-Funktionär angehörten: ein Vorfall Ende Jänner 2010 belegt die mehr als brisante Verbindung von militanter Neonazi-Szene und Jungfreiheitlichen.

Passiert war es im Lokal „Zeppelin“, wo gerade eine Geburtstagsgesellschaft feierte: Rechtsextreme hatten mit „Heil Hitler“ gegrüßt, das Horst-Wessel-Lied gesungen, und – nach Zeugenaussagen entweder weil ihnen die Musik nicht gefiel oder weil einige Gäste sich über sie aufgeregt hatten – schließlich in einem Gewaltrausch die Lokaleinrichtung demoliert, BesucherInnen niedergeschlagen und teilweise schwer verletzt. Die Mitglieder dieser rechtsextremen Truppe wurden gefasst und wegen Körperverletzung und Wiederbetätigung angezeigt.
Wochenlang verschwiegen Behörden und Medien diesen Vorfall, bis schließlich ein Bericht im „Standard“ am 10.3.2010 das Geschehene und die Verbindungen zur FPÖ öffentlich machte. Doch die FPÖ, um Ausreden noch nie verlegen, dementierte sofort: Jene, die tatsächlich einmal dem RFJ nahegestanden hatten, seien „längst“ ausgeschlossen worden, so der Grazer Klubobmann Armin Sippel. Nur „Der Standard“ wagte es, nähere Details zu den agierenden Personen zu berichten.

Zu den Angezeigten zählen Stefan Juritz, Bezirksobmann des RFJ Deutschlandsberg, Richard Pflingst, ehemaliger Funktionär des RFJ Graz, und der oststeirische Kickboxer Gerhard Taschner. Ausgerechnet im letzten enterhaken hatten wir unter dem Titel „Ost(steier)mark-Connection“ über die Verbindungen zwischen oststeirischen Neonazis aus Feldbach und Gleisdorf zu Franz Radl einerseits, undzum RFJ andererseits berichtet. Da der enterhaken nur über Fakten und nicht über Gerüchte informiert, hatten wir dabei diverses Hörensagen über schlägernde OststeirerInnen nicht erwähnt. Doch ganz offensichtlich haben so manche Gerüchte ihren wahren Kern… Der von uns bereits erwähnte Taschner bewegt sich im Umfeld der Führungsfiguren der neonazistischen Szene: Im Internet stellt er seine Weltanschauung offen zur Schau, grüßt mit „Heil dir“, wünscht „allen Deutschen Volksgenossen Heil Sonnwend“, wirbt mit „Rassismus ist gesunder Volkserhaltungstrieb“ und definiert sich selbst als „politischer Soldat“.
Als Lieblingsmusik nennt Taschner die neonazistischen Liedermacher Frank Rennicke und Michael Müller („Bei 6 Millionen Juden da fängt der Spaß erst an / bis 6 Millionen Juden da bleibt der Ofen an / wir haben reichlich Zyklon B…“) oder die verbotene deutsche Band „Landser“ („Adolf Hitler unser Führer unser Held“).
Taschners Beteiligung an zentralen Neonazi-Aktivitäten der letzten Jahre ist hinlänglich dokumentiert – u.a. die Neonaziaufmärsche in Dresden, der Neonaziblock bei der Anti-EU-Demo 2008… 2007 war er zusammen mit dem ehemaligen VAPO-Gründer Gottfried Küssel beim Fest des neonazistischen „Bundes freier Jugend“ (BFJ) anwesend. Seine Fotos belegen, dass er Zugang zu informellen Gedenkfeiern der Neonazi-Szene hat, an denen auch der Fürstenfelder Franz Radl teilnimmt. Radl und Küssel zählen zu den Führungsfiguren der österreichischen Neonazi-Szene.

Gerhard Taschner

Und ausgerechnet mit diesem Taschner wird ein Noch-Immer-hoher Funktionär des RFJ, Stefan Juritz, wegen einer Prügeleiund neonazistischer Parolen in einem Grazer Lokal angezeigt. Juritz war 2007 durch eine Aussendung aufgefallen, in der er die Abschaffung des Verbotsgesetzes forderte und wegen Wiederbetätigung angeklagte BFJ-Kader verteidigte. 2007 nahmen Juritz und Richard Pfingstl am selben BJF-Fest wie Taschner und Küssel teil. Ihre Aktivität in der Neonazi-Szene hatte keine Konsequenzen. Nur Richard Pfingstl flog 2009 aus dem Vorstand des RFJ, aber nicht wegen Neonazismus, sondern weil er in sichtlich unzurechnungsfähigem Zustand eigenmächtig eine allzu peinliche Presseaussendung verschickthatte. Von einer Absetzung von Stefan Juritz ist jedoch bis heute nichts bekannt. Wenn daher der Klubobmann der Grazer FPÖ, Armin Sippel, den Vorfall im „Zeppelin“ mit der Bemerkung abtut, alle Beteiligten seien längst aus dem RFJ ausgeschlossen worden, so lügt entweder er – oder die Homepage des RFJ, auf der Juritz noch immer als Bezirksobmann grüßt. Sippel ist übrigens in derselben Burschenschaft wie Juritz, in der Germania im CDC, korporiert, und hat 2004 laut der gehackten Bestellliste des neonazistischen „Aufruhr-Versands“ dort ein Hemd mit der Aufschrift „Germania – 88“ (88, Code für „Heil Hitler“) bestellt.

Wir widmen diesen Bericht dem Chef der Steirischen Sicherheitsdirektion, Josef Klamminger: „Wirklich rechtsradikale Vereinigungen gibt es bei uns nicht, da diese ja gesetzlich verboten sind.“

Quellen: „Der Standard“ online vom 10.3.2009, Internet-Auftritte von G. Taschner, PA des RFJ Deutschlandsberg vom April 2007, PA von R. Pfingstl vom 27.1.2009, Fotos vom BFJ-Fest 2007, Fotos der Germania im CDC, Bestellliste des „Aufruhr-Versands“